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Charlotte (2004)

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16mm Farbfilm, ohne Ton,
5 Min. 42 Sek., Endlosprojektion

Ganz in Rot getaucht, zeigt das Filmbild in Charlotte eine Nahaufnahme des Auges der britischen Schauspielerin Charlotte Rampling. Diesem nähert sich der übergross wirkende Zeigefinger des Künstlers bedrohlich. Der Ausschnitt schwankt ständig zwischen scharfer und verschwommener Einstellung. Analog zum Kameraauge muss sich auch die Pupille dem sich annähernden Finger beständig neu anpassen. Dieser tastet sich heran, knetet die Haut des Lids, streicht darüber und bringt die Hautfalten wieder in Form. Das fast unerträgliche Gefühl von Verletzlichkeit überträgt sich auf den Betrachter, schwankend zwischen Spannung und Bedrängnis. Schliesslich berührt die Fingerkuppe den offenen Augapfel. Für einen Augenblick erduldet das Auge den Eingriff, bis das Lid mehrmals blinzelt, als wische es die Berührung weg. In dieser rohen wie zärtlichen Berührung wird die Erotik des intimen Duells so offenkundig wie die Thematik von Fragilität.

Charlotte liest sich als Metapher für das Potenzial und die Manipulation des Sehens und dem Kino im Allgemeinen. Was schon die Engführung von Kamera und Auge andeutet, vermag die intime Hommage an eine Ikone des europäischen Kinos (und besonders deren berühmt gewordene strahlende Augen) sowie der ratternde 16mm Projektor im Hintergrund noch zusätzlich zu unterstreichen.