Just above my head (1996)

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16mm Schwarzweissfilm, übertragen
auf Video, ohne Ton, 9 Min. 35 Sek.,
Endlosprojektion

In Just Above My Head dominiert eine grosse Leerstelle. Ein heller wolkenverhangener Himmel breitet sich über dem Kopf des Künstlers aus, von dem nur noch ein Teil des Gesichts am unteren Rand der wandfüllenden Projektion ins Bild ragt. Der Kopf wird im wippenden Auf und Ab sichtbar – so, als müsse er sich über Wasser halten. In einer ununterbrochenen, ungeschnittenen Einstellung filmt die Kamera aus extremer Untersicht die lautlos und unaufhaltsam nach vorne schreitende Figur. Permanent passt sie sich den unregelmässigen Schritten an, ohne je mehr als die Schultern des Gehenden zu zeigen – der Körper ist hors champs. Gleichzeitig ist die Schauordnung verkehrt: Paradoxerweise muss man nach unten schauen, um zur Figur hochzublicken. Gelassen und ernst schreitet der Mann durch einen nicht zu lokalisierenden leeren Raum. Greifbar nah und doch ausser Reichweite huschen hin und wieder einige Äste über seinen Kopf hinweg. Die filigranen Baumkronen sind Fetzen einer Welt, die nach der scheinbaren Schwerelosigkeit eine Verortung ermöglichen und am Ende des Films einen Anker bieten. Der Titel des Films ist dem Roman Just Above My Head (1979) des afroamerikanischen Autors James Baldwin entliehen, der sich mit Fragen der Identität, von Rassismus und Homosexualität befasst.