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Stimmkörper und Tonträger

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Prey (1999)

So wie ein Bild kann auch der Ton einen Halt bieten und ungeahnte neue Dimensionen eröffnen. In Static verstärkt der an- und abschwellende Lärm eines um die Freiheitsstatue kreisenden Helikopters den Wechsel zwischen Gefühl von entrückter Ferne und nahender Bedrohung. Das Geräusch wird nicht als störend empfunden, denn die unterschiedliche Lautstärke des Rotorgeräuschs unterstützt die Positionierung des Betrachters. Die Geräuschkulisse der Stadt wird vom ohrenbetäubenden Lärm der Versuchsanordnung selbst überlagert. Der Ton ist dem Bild nicht sekundär als Soundtrack zugeordnet, sondern die Geräuschquelle ermöglicht das Bild. In dieser engen Verbindung von Bild und Ton ist Static eng mit Drumroll verwandt, wo das auf Asphalt rollende Ölfass sowohl die drei filmenden Kameras enthält als auch Lärm erzeugt. In diesen Aufnahmen wird die Art und Weise der Kameraführung (aus einem Helikopter oder einem rollenden Ölfass heraus) nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar. Zahlreiche weitere Werke bauen auf diese Ausgangslage des kraftvollen Einsatzes von Ton, der vom Bildinhalt ausgeht. Prey zeigt ein laufendes Tonbandgerät, das rhythmische Steppschritte von sich gibt. Später wird der Tonträger in die Lüfte davongetragen. In Girls, Tricky sieht und hört man die intensiven Sprechgesangseinlagen des Sängers Tricky bei einer Studioaufnahme. Pursuit lässt durch Rascheln und Atemgeräusche die Bedrängnis eines unsichtbaren Menschen in einem dunklen Park vernehmen. In Illuminer wird das Hotelzimmer überhaupt erst präsent durch den Fernsehbildschirm, der Licht und Ton aussendet. Die Abstrahlung der Röhre auf das Bett liefert die nötige Helligkeit, um das Bild für die Sensorik der Kamera sichtbar und somit «filmbar» zu machen. Gleichzeitig schreibt sich der Ton der laufenden Sendung in die Audiospur von Illuminer ein. Das TV-Gerät aber, Quelle von Licht und Stimme, bleibt ausserhalb des Videos.


«Sound and music have become incredibly
important for me. There are no boundaries with
music, it can’t be enclosed. A sound travels
along a guitar string and out into space. It’s the
same with a voice.»

Diesen zumeist bewegungsreich und dynamisch gefilmten Bildern steht eine ruhigere Form von Ton-Bild-Verkopplung gegenüber: eine Standbildprojektion mit einer Stimme aus dem Off. Die persönliche und lebhafte Erzählung des Cousins des Künstlers in 7th Nov. kann zwar kaum mit dem sinnfreien Sprachgewirr («Glossolalie» oder «in Zungen reden») von Once Upon a Time und dem stundenlangen Vorlesen von administrativen Dokumenten in End Credits verglichen werden, aber gemeinsam ist allen diesen Werken, wie der Ton vom Bild wegdriftet. Der Soundtrack erlangt eine Eigenständigkeit und verlangt eine erhöhte Aufmerksamkeit. Wiederum könnten die Installationen aber nicht ohne das Bild auskommen, das einen visuellen Anhaltspunkt setzt. In der dem Sprechfluss entgegengesetzten Ruhe geht vom Bild ein ganz eigener Sog aus.



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