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western deep (2002)
Carib’s leap (2002)

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Western Deep (2002)
Super 8mm Farbfilm, übertragen
auf Video, mit Ton, 24 Min. 12 Sek.

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Carib’s Leap (2002)
Super 8mm Farbfilm, übertragen
auf Video, mit Ton, 28 Min. 53 Sek.,
Endlosprojektion

35mm Farbfilm, übertragen
auf Video, ohne Ton, 12 Min. 6 Sek.,
Endlosprojektion

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Die Werke Western Deep und Carib’s Leap sind die ersten längeren Filme in Steve McQueens Schaffen, die zwischen Dokumentation und Fiktion schwanken. Verbunden durch Bilder vom Fallen oder Absteigen verdichten sie sich zu Allegorien von Unterdrückung und Ausbeutung und werden immer zusammen in einer Ausstellung gezeigt. Erstmalig läuft die für zwei separate Projektionen konzipierte Arbeit Carib’s Leap im Schaulager auf den LED-Bildschirmen an der Aussenfassade des Gebäudes. Der Einstieg in die Ausstellung wird somit nach aussen getragen und schlägt zugleich eine Brücke zum Innern. Die ersten Minuten von Western Deep sind in Finsternis getaucht, auch gelegentlich hellere Sequenzen lassen kaum etwas klar zu sehen. Allmählich werden unscharfe Gesichter und Gitterstrukturen erkennbar, bis man anhand der Helme und der Liftkabine begreift, dass die Kamera zusammen mit Minenarbeitern einen dunklen Schacht hinabfährt. Der Film ist in der weltweit tiefsten Goldmine – Tau Tona in Südafrika – aufgenommen, die unter dem Apartheidregime noch «Western Deep» hiess. Obwohl thematisch als Dokumentarfilm angelegt, geht es in Western Deep weniger um das Aufzeigen eines grösseren politischen und wirtschaftlichen Kontexts. Vielmehr wird die unmittelbare Konsequenz dieser Arbeitsumstände für den Menschen in den Vordergrund gerückt. Das scheinbar «objektive» Auge der Kamera kommt an die Grenzen dessen, was im verschwindenden Licht noch aufzuzeichnen ist, und sträubt sich gegen einen einfach lesbaren Zugang zur Realität. Die mit körnigem Super-8-Material gefilmten Bilder sind beklemmend klaustrophobisch und transportieren ganz direkt die von Dunkelheit, Schwüle und Druck geprägte Stimmung in den Schächten. Die Handkamera bediente in diesem Film der Kameramann Sean Bobbit, mit dem Steve McQueen seither immer wieder zusammenarbeitet.

Eines der zwei Videos von Carib's Leap zeigt zunächst ein leeres Bildfeld, das durch leichte Verfärbungen als Wolkenhimmel erkennbar wird. Ab und zu stürzt eine menschliche Silhouette in langsamem Fall durch das Bildfeld ins Leere. Das andere Video dokumentiert eine karibische Szenerie. Der Alltag der auf der tropischen Insel Grenada lebenden Menschen kreist um das Meer. Boote fahren aus oder werden an Land gezogen, Fischernetze werden eingeholt, Kinder schwimmen im Wasser und spielen am Strand. In die Aufnahmen des sich ohne Hast abspielenden Lebens reihen sich gegen Ende des Films Bilder aus dem Leichenhaus, die Kamera schweift über offene Särge und die darin gebetteten Leichname. Grenada, von wo auch die Eltern des Künstlers kommen, war 1651 Schauplatz des erfolglosen Kampfes der einheimischen Kariben gegen die französischen Landeroberer. An die nördliche Spitze der Insel gedrängt, wählten sie lieber den Sprung über die heute nach dem Vorfall benannten Klippen («Carib’s Leap») ins Meer und in das Erlösung versprechende Jenseits, als sich in die Gefangenschaft unter den Kolonialherren zu begeben. Die beiden Projektionen ergänzen sich zu einem dialektischen Bild zwischen damals und jetzt – einer Vergangenheit, die nur als Schatten in der Gegenwart nachhallt.